Und es hat Päng gemacht!

Ein eigenes Magazin in Zeiten von Printsterben

Die Prinz Stadtmagazine oder die Financial Times Deutschland sind nur zwei der namhaften Titel, die in jüngster Zeit im Kampf gegen den Printtod aufgeben mussten. Die klassischen Printverlage haben es in der heutigen Zeit nicht mehr einfach, vielversprechende Relaunches führen oft ins Nirvana. Doch gehören gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen wirklich der Vergangenheit an?

Wenn es nach Josephine Götz geht – nein. Die junge Stuttgarterin glaubt noch an Print. Sie ist seit April 2012 mit nur 26 Jahren Herausgeberin, Chefredakteurin und Anzeigenverkaufsleitung ihres eigenen Magazins. Die Idee dazu kam ihr bereits 2009 während eines Frankreichurlaubs. Eine Zeitschrift mit Tipps zu den besten Urlaubs-Apps half ihr nämlich mitten in der Natur, ohne Handynetz, reichlich wenig. Viel lieber hätte sie in diesem Moment gewusst, wie man ein Floß baut, um den Fluss damit hinabtreiben zu können.

Päng! erscheint 4 Mal im Jahr und kostet 6 €

Päng! erscheint 4 Mal im Jahr und kostet 6 €

Anlässlich ihrer Bachelorarbeit (Mediapublishing B.Sc., Hochschule der Medien Stuttgart) erstellte sie ein erstes Heftkonzept. Dafür analysierte sie beispielsweise den Anzeigenmarkt und die aktuelle Aufstellung des deutschen Zeitschriftenmarkts. Ein redaktionelles Konzept und die Definition der Zielgruppe folgten. Überzeugt von ihrer damaligen Idee, setzte sie das Konzept der Bachelorarbeit kurzerhand in die Tat um. Mit Hilfe eines kleinen Teams, viel Geld und Energie, wurde das Magazin „Päng!“ geboren. Inhaltlich dreht es sich nicht um Promigeschichten oder die neusten technischen Geräte, sondern will dazu inspirieren, wieder mehr Zeit draußen zu verbringen (Slogan: „Für die Wirklichkeit gibt es kein Ersatz“).

Doch ist sie heutzutage eine Träumerin, weil sie finanzielle Mittel und all ihre Zeit in ein eigenes Printobjekt gesteckt hat? Die Zahlen und der Erfolg sprechen für die junge Verlegerin: 10.000 Exemplare pro Ausgabe werden von Päng! gedruckt, die Facebook-Likes wachsen täglich.

In einem Interview sprach sie mit uns über die Zukunft von Print, ihre Wünsche und den Wert eines Onlineauftrittes für ihr Magazin – nicht nur inspirierend für diejenigen unter uns, die auch von einem eigenen Magazin träumen.

Hast du die Idee Päng! herauszubringen je bereut? Bleibt noch genug Freizeit?

Bereut hab ich es nie. Es kickt mich nach wie vor jeden Morgen aufs Neue an, für Päng! zu arbeiten. Was sich seit Erscheinen des ersten Heftes allerdings geändert hat: Es ist jetzt ein Job, ein richtiger Job. Vorher hat mich nur Leidenschaft getrieben, der Traum vom fertigen Heft im Handel. Jetzt ist es Leidenschaft und Job – und jeder Job stresst manchmal.

Genug Freizeit kann man nie haben meiner Meinung nach. Durch Päng! ist sie deutlich weniger geworden. Wir haben viele Geschichten im Heft, bei denen ich denke: „Das möchte ich auch machen – nur wann?“ Was ich von Anfang an resolut beibehalte: Am Wochenende ist frei.

Was würdest du denjenigen raten, die auch von einem eigenen Magazin träumen

Generell sage ich immer, dass man alles ausprobieren sollte. Ideen haben viele, wenige machen es. Seit ich die Idee vom Heft hatte, habe ich es als ganz natürlich betrachtet, ab jetzt alles in meiner Macht stehende zu machen, dass dieses Heft in den Handel kommt. So einen Willen und Antrieb beruflich gesehen, kannte ich vorher nicht.

Man sollte sich bewusst machen, dass man mit einem neuen Magazin kein schnelles Geld verdient. Und dass es etwas Kontinuierliches ist, keine Projektarbeit, es ist niemals abgeschlossen. Sobald ein Heft fertig ist, geht es weiter ans Nächste.

Wie einfach war eine Bewilligung des Gründerzuschuss zu erreichen, der die Finanzierung von Päng! gesichert hat?

Nichts ist einfach bei einer Gründung – alles benötigt viel Zeit und Einsatz. Für den Gründungszuschuss benötigt man einen Businessplan – konkrete Angaben zu Idee, Zeitplan, Realisierung, Finanzierung. Dabei merken viele erst, was auf sie zukommt und ob sie sich dem gewachsen fühlen.

Wie kann man sich den Redaktionsalltag vorstellen? Entsteht Päng! immer noch in deiner WG in Stuttgart Mitte?

Päng!#2 und Päng!#3 entstanden in meiner neuen Wohnung – in der ich einen Privat- und einen Bürobereich habe. Päng!#4 entsteht dann endlich im neuen Büro. Endlich! Zuhause leben und arbeiten ist auf Dauer einfach nicht tragbar.

Redaktionsalltag? 1 Mal im Monat Sitzung, ansonsten alles über Telefon und Internet. Zwei Mal die Woche kommen Eva und Jana ins Büro, sie wickeln Vertrieb und Marketing ab. Mit Cathrin (Artdirektion) sitze ich wöchentlich zusammen.

In einem Interview hast du mal gesagt, dass viele dir von Print abgeraten haben und du doch lieber ein E-Paper produzieren solltest. Trotzdem hast du dich bewusst dafür entschieden. Warum?

Ich wusste, dass das Konzept von Päng! nur auf Print funktioniert. Päng! berichtet vom Leben da draußen, vom ungekünstelten Leben – die Geschichten kann man nicht nur lesen, die muss man auch fühlen, die Seiten blättern, das Heft auf- und zuschlagen. Auf mattem Papier gedruckt mit Werkcharakter. Als E-Paper würde das nicht halb so wirken.

Gibt es deiner Meinung nach überhaupt so etwas wie ein Printsterben oder liegt die Ursache des Problems in den Titeln selbst? Die Financial Times Deutschland oder das Stadtmagazin Prinz sind jüngste Beispiele für den Tod von Print. 

Das Printsterben ist nicht von der Hand zu weisen. Printmedien, die von Tagesaktualität leben, haben es unfassbar schwer. Die Zeitung von heute hat die News von gestern. Abonnenten von Tageszeitungen sterben aus und wachsen nicht nach – wie will man sich als Urgestein der Printbranche dagegen wehren? Und wer braucht heutzutage noch Stadtmagazine – wenn er täglich online erfährt, was wo geht. Es ist ein Jammer, aber das ist die Entwicklung. Special-Interest-Magazine und Bücher werden aber langfristig überleben meiner Meinung nach. Allerdings nicht mehr als Alltagsgut – sondern als Kulturgut für den besonderen Moment.

Päng! wird zwar gedruckt, trotzdem seid ihr auf Facebook oder eurer Website sehr aktiv und gut aufgestellt. Welche Rolle spielt die Onlinevermarktung für euer Magazin?

Eine sehr sehr große. Als junger kreativer Selbstständiger kann man sich wahnsinnig glücklich schätzen über die Möglichkeiten dieser Zeit. Ohne großen Werbeetat haben wir uns ein Netzwerk online aufgebaut – eine Plattform auf der wir mit unseren Lesern in Dialog treten. Online und offline verknüpft. Ein Leser backt uns einen Stollen als Dankeschön für das Heft. Wir machen ein Foto davon, stellen es auf Facebook hoch und bedanken uns.

Von der Studentin zur Herausgeberin: Josephine Götz

Von der Studentin zur Herausgeberin: Josephine Götz

Zum Schluss: Wo siehst du Päng! in 5 Jahren?

Mit einer Auflage von 100.000 Ex., zweimonatlich erscheinend, mit 20 Mitarbeitern in einem schönen Büro. Das wäre wunderbar.

Mehr Informationen zu Josephine Götz und ihrem Heft „Päng!“ gibt’s auf www.paengmagazin.de oder www.facebook.com/paengmagazin.

 von Isabelle Schmitz

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